Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Die individuelle Lernbilanz. Bildungspass soll auch informelles Lernen erfassen

Es gibt Beiträge, da weiss ich nie so recht, ob ich mich freuen oder ärgern soll: Freuen, weil sie etwas ansprechen, was selten angesprochen wird; und ärgern, weil das Ergebnis mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. So geht es mir jedenfalls mit diesem Beitrag zum Thema „Bildungspass“. Da haben drei renommierte Bildungsinstitute eine Machbarkeitsstudie „Weiterbildungspass mit Zertifizierung informellen Lernens“ vorgelegt. Klasse! Informelles Lernen – endlich ein Beitrag, ein Konzept, das über traditionelle Bildung(skonzepte) hinausgeht. Doch dann kommt die Ernüchterung: Der Bildungspass soll formale und informelle Lernprozesse dokumentieren, soll bislang unentdeckte Kompetenzen dokumentieren usw. Doch wie soll das geschehen? Ganz praktisch! Zugegeben, ein Interview in einem Fachmagazin kann nur anreissen, aber anstatt viele Zeilen auf die Definition von „Kompetenzen“ zu verwenden, wären einige Informationen zur Umsetzung, den konkreten Beteiligten („Workshops mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern“ …) usw. hilfreicher und interessanter gewesen. Gerade auch, weil in Deutschland diese Ansätze schnell im bürokratischen Dschungel („Pass!“) zu verschwinden drohen.
Rainer Spies, Personalführung, 6/2003


Siehe auch:
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE):
Bildungspass unter besonderer Berücksichtigung informellen Lernens
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF):
Erprobung und Evaluierung eines Weiterbildungspasses
Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (IES)