Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Wissen aus der Steckdose? Wissen sammeln – Wissen tauschen

Sie taucht in regelmäßigen Abständen auf, die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von e-Learning und Wissensmanagement. Von den vier Expertenbeiträgen, die Global Learning abbildet, ist aber nur das Interview mit Gabi Reinmann-Rothmeier, Professorin für Medienpädagogik in Augsburg, wirklich interessant. Was die Gemeinsamkeiten betrifft, so geht es aus ihrer Sicht im Kern immer um Wissen und Lernen, um Lernprozesse. Im Unterschied zu e-Learning, dessen Handicap seine Verankerung im Personalbereich ist, spricht sie WM aber die größere strategische Relevanz zu. Dem ist voll und ganz zuzustimmen!

Gabi Reinmann-Rothmeier betont auch, dass alle Konzepte des WM für Menschen erst dann interessant werden, wenn sie ihren „persönlicher Gewinn“ sehen – und erst hoher Leidensdruck oder grosses persönliches Interesse macht sie offen für diese Prozesse. Da helfen aus ihrer Sicht keine Anreizsysteme, und keine noch so ausgeprägte „Kultur des Vertrauens“ (wie die anderen Interviewpartner, K. Wilbers, M. Räbsamen. M. Eppler, betonen) kommt an diesem Punkt vorbei! Dieselbe sympathische Skepsis auch beim Stichwort „Communities„, die sie in Form standardisierter und „verordneter“ Bausteine mit grossen Fragezeichen versieht.

„Wer keine Möglichkeit hat, am eigenen Leib zu erleben, dass Kommunikation und Kooperation und damit die „Preisgabe“ und „Weitergabe“ von Wissen auch für einen persönlich Sinn machen (weil man selbst etwas dazulernt und seine Kompetenzen erweitert, etwa durch Unstrukturierung des eigenes Wissens), der wird sich auch durch Gutscheine oder andere Plattheiten nicht dazu erweichen lassen – warum sollte er auch.“
Global Learning, 3 Mai 2003a>